Wussten Sie,
dass Il Principe nicht einfach ein Lehrbuch der Treulosigkeit und des Bösen ist, in dem Machiavelli Fürsten rät, grausam zu sein?
Machiavellis Ratschlag ist weitaus differenzierter. In seinem kleinen Band in Briefen De Principatus (über Fürstenherrschaft), das er dem jüngeren Lorenzo de’ Medici (1492-1419) widmet, erörtert er nach eingehendem Studium antiker und jüngerer ihm vorliegenden Beispiele, «was Herrschaft ist, welche Arten es davon gibt, wie man sie erwirbt und erhält und warum man sie verliert». Im Kapitel «Von der Grausamkeit und der Milde und ob es besser sei, geliebt als gefürchtet zu sein» kommt er zum Schluss: «man soll nach beidem trachten; da aber beides schwer zu vereinen ist, so ist es weit sicherer, gefürchtet als geliebt zu werden, sobald nur eins von beiden möglich ist». Vor allem aber empfiehlt er, im Umgang mit Menschen nicht von einem Wunschbild auszugehen, d.h. wie man Menschen gern hätte, sondern von der Realität, d.h. wie Menschen tatsächlich sind. Ein nicht so sehr negativer, sondern lediglich äusserst objektiver nüchterner Blick also auf Menschen.
Machiavelli, Niccolò: Der Fürst. Frankfurt a.M. 1990. ↗
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© Ursula Gehbauer Tichler
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